Manast LL

MANAST LL

Der aufstrebende Stern, der die Regeln der französischen Musik bricht

MANAST LL

Der aufstrebende Stern, der die Regeln der französischen Musik bricht

Als das Hip-Hop-Magazin The Fader im letzten Juli sein neustes Cover enthüllte, fragten sich viele Leser: „Wer ist das denn?“ Vor pastellviolettem Hintergrund standen da PNL, zwei Brüder aus den Vorstädten von Paris, mit schick nach hinten gelegtem Haar und die Fäuste zum Gruß gegeneinander gestoßen. In nur zwei Jahren hat das Duo drei Alben veröffentlicht. Das letzte davon (Dans la Légende) erreichte Diamant-Status, nachdem in Frankreich alleine 500.000 Kopien verkauft wurden. Nachdem sie jahrelang nur in ihrem Heimatland erfolgreich waren, ist jetzt durch ihren Erfolgshit „Le Monde Ou Rien“ die ganze Welt auf ihren verträumten Rap aufmerksam geworden.

PNL sind nur ein Beispiel für eine neue Generation von französischen Künstlern, die mit ihren kühnen Experimenten und der Anerkennung ihrer Wurzeln die Aufmerksamkeit auf die Musikszene des Landes ziehen. Einst war französischer Rap eher bekannt als ehrlicher und düsterer Soundtrack des Kampfes in den Vorstädten, doch jetzt hat er eine neue, bunte Vision und ist voller Vitalität, Gefühl, Tiefgang und neuer Einflüsse. Und vor allem erlebt die Beliebtheit dieses Stils bei den Hörern einen Höhenflug. MHD, ein MC aus Paris, trug früher Pizzas aus und spielt jetzt nach bloß 18 Monaten vor 65.000 Menschen. Gar nicht zu reden von Stars wie Jul aus Marseille oder Nekfeu.

Einer der aufgehenden Sterne dieser neuen Generation ist Manast LL, der nicht wie die meisten französischen Stars aus Paris oder Marseille stammt, sondern aus Orléans, einer am Ufer der Loire gelegenen, idyllischen Stadt mitten im Land. In den letzten paar Jahren hat er sich mit seinem sinnlichen Sing-Rap und den nachdenklichen Texten über lange Nächte und verlorene Liebe seine Nische geschaffen. Seine letztjährige Single „Sookah“ – die auf Pigeons & Planes Premiere feierte – war eine Zusammenfassung von Manasts Ästhetik: ein schlichter und hypnotischer Track, der zwischen Rap und Pop sowie Romantik und Lust schwankte.

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Vor seinem Live-Auftritt im Ace Hotel in Shoreditch haben wir uns am Nachmittag mit ihm im Büro von New Era in London getroffen. Manast trägt eine rosa-getönte Sonnenbrille und ein Hemd in Algengrün mit abstraktem Muster und er strahlt trotz seinem jungen Alter eine gewisse Ruhe und Weisheit aus.

 „Das Problem mit Frankreich ist, dass es ein konservatives Land ist“, sagt er mir. „Die Menschen sind nicht sehr weltoffen. Sie haben Angst davor, was sie wollen und wer sie sein wollen. Das macht französische Musik so interessant, weil all diese Regeln gebrochen werden. Plötzlich kommen Rapper, die über Gefühle, über Frauen und darüber, wie sie aufgewachsen sind, sprechen – neuerdings gibt es sogar androgyne Rapper. Da kommt Bewegung in die französische Kultur.“

Manast ist ein nachdenklicher Typ. Während unserer Unterhaltung kommt er öfters vom Thema ab und erzählt mir, wieso er kürzlich entschieden hat, weniger Fleisch zu essen, und seine Theorien darüber, was Zucker mit uns anstellt. Er ist der Meinung, im Moment sei so gut wie alles fragwürdig, vom Essen übers Internet bis hin zur Politik. Und das hat ihn dazu inspiriert, sich mit seiner Kunst nicht auf oberflächliche oder materielle Dinge zu konzentrieren, sondern auf „echte Dinge“, die wirklich etwas bedeuten.

Vielleicht kommt das auch von seiner Herkunft. Er wuchs nicht in der Stadt auf, sondern in einem Dorf auf dem Land, wo Pferde, Hühner und Felder immer präsent waren. „Heutzutage vergessen die Leute, wo sie herkommen“, sagt er. „Ich glaube, es gibt Menschen, die nichts anders kennen als hohe Gebäude, Autos und Luftverschmutzung. Sie haben noch nie einen richtigen Wald gesehen oder beobachtet, wie sich die Farben der Natur im Verlauf der Jahreszeiten verändern. Ich weiß, wo ich herkomme, und das gibt mir Halt."

Doch seine Kindheit bestand nicht nur aus Herbstblättern und Sonnenschein. Manast hat kongolesische Wurzeln und auf Grund der ruralen Umgebung mitten in Frankreich, waren er und seine Familie die einzigen drei Schwarzen in der Gegend. Dieser Aspekt wurde verstärkt, als er und sein Bruder in die Schule kamen und sie mit den Vorurteilen der Kinder ihrer Generation in Berührung kamen.

Manast wurde zu einem schüchternen Kind, das nicht viel sagte. Er interessierte sich mehr für Basketball als für Popularität und seine Besessenheit für diesen Sport brachte ihm die amerikanische Kultur näher. Innerhalb kürzester Zeit hatte er eine Flechtfrisur, trug weite Kleider und hörte US-Rappers wie Chingy, UGK und Mike Jones, und machte selbst Musik. Als Künstler hat er bereits die Aufmerksamkeit des Kult-Musiklabels Kitsune und Sam Tiba vom französischen Produktions-Dream-Team Club Cheval auf sich gezogen.

Mittlerweile ist er Teil des La Ligne Bleu (ein Kollektiv aus Managern, Fotografen, Musikern und Regisseuren, dessen Logo Manast auf seinen Nacken tätowieren ließ) und 2017 hatte er besonders viel zu tun – er veröffentlichte innerhalb weniger Monate sowohl eine EP als auch ein Mixtape. Erst erschien 42 Stories: eine komplexe und reichhaltige Konzept-EP, welche bruchstückhafte Erinnerungen an vergangene Beziehungen freilegte. Sie entstand zusammen mit einer Gruppe von Produzenten während einem Sommer auf dem Land in Saint Etienne.

 „Liebe ist das wichtigste Gut, das die Menschheit hat. Sie ist das einzige, das Menschen vereint."

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Liebe ist ein wiederkehrendes Thema in seiner Musik und seiner Identität als Künstler und etwas, das ihm sehr wichtig ist. Liebe, oder zumindest die Suche danach oder ihre Verweigerung, kommt in fast allen seinen Werken vor. Sie ist sogar in seinem Namen zu finden (das LL in Manast LL steht für „live love“, also „lebe Liebe“). „Das ist mein Mantra“, verrät er mir. „Liebe ist das wichtigste Gut, das die Menschheit hat. Sie ist das einzige, das Menschen vereint."

Im Sommer 2017 veröffentlichte er aus blauem Himmel Shawty's Lov Samples, ein spontanes, experimentelles Mixtape in Zusammenarbeit mit dem französischen Produzenten Blase, das sich anhört, als hätte Future einen Sommer in Paris verbracht. Die Kompliation mit La Ligne Bleue, Bleue Vol.1, wurde danach am 31. Januar veröffentlicht. Es zeigt den amerikanischen Einfluss seiner Musik, der sich durch alle Tracks von Manast zieht, inklusive der Lyrics, die er auf Englisch abliefert.

„Wenn die Leute mich fragen, wieso ich als Franzose auf Englisch rappe, sage ich ihnen, man könne ja einem italienischen Maler auch nicht vorschreiben, nur in Rot, Grün und Weiß zu malen, bloß weil er Italiener ist. Es schien ganz natürlich, weil ich amerikanische Musik hörte."

Manast ist das angestiegene Interesse an französischer Musik weltweit bei seinen Shows aufgefallen. „Es gab noch nie so viele Leute, die meine Lyrics mitsingen“, bemerkt er. Gerade kam seine neue Single „What You Saying“ raus und er kann es kaum erwarten, zu entdecken, was diese neue Generation von französischen Künstlern alles erreichen kann. „Es herrscht mehr Selbstbewusstsein und Akzeptanz als je zuvor. Die Menschen fühlen sich frei zu sagen, was sie wollen, und dadurch wird unsere Musik immer authentischer."

Hier kannst du die neuste Single von Manast entdecken